Aufhebung Exportquoten in China und Entwicklung Seltene Erden Preise

Auf die kürzlich erfolgte Veröffentlichung der Entscheidung der chinesischen Regierung, nicht mehr auf den Exportquoten zu bestehen und damit dem WTO-Diktat zu folgen, gab es eine Flut von Kommentaren, meist mit Hinweise auf die negativen Auswirkungen dieser Entscheidung auf die REO-Preise, also die der Seltenen Erden.

14.01.2015
Von: Dr. Dietmar Siebholz

 

China beugt sich der WTO-Entscheidung mit der Aufgabe der Export-Kontingente. Was bedeutet dieser Schritt für den REO-Markt und vor allem für die Preise für die Seltenen Erden?

Auf die kürzlich erfolgte Veröffentlichung der Entscheidung der chinesischen Regierung, nicht mehr auf den Exportkontingenten zu bestehen und damit dem WTO-Diktat zu folgen, gab es eine Flut von Kommentaren, meist mit Hinweise auf die negativen Auswirkungen dieser Entscheidung auf die REO-Preise, also die der Seltenen Erden. Besonders schlimm traf es dabei die nichtchinesischen an den Börsen notierten Minengesellschaften wie z.B. Molycorp (MCP) aus den USA.

Aber auch einige Händler für die Seltenen Erden korrigierten ihre Preislisten teilweise drastisch nach unten. 

Ich halte dies für falsch, denn es stellt sich die Frage, was sich dadurch an der Konstellation aus Angebot und Nachfrage ergeben hat oder sich noch ergeben wird.

Fangen wir bei der Beurteilung einmal mit der Richtigkeit der uns gereichen Fakten an. Da muss ich feststellen – und dies aufgrund eigener und schmerzlicher Erfahrungen - dass Statistiken, die von Regierungen ermittelt werden, immer zweckgerichtet verändert (sprich extrem manipuliert) werden. Wir müssen aber davon ausgehen, dass irgendwo bei den uns gereichten Zahlen auch ein Körnchen Wahrheit enthalten ist. So sollte man akzeptieren, dass der Weltverbrauch an Seltenen Erden so zwischen 115.000 und 125.000 Tonnen pro Jahr liegen wird; und man muss die chinesischen Werte für die dortige Produktion (natürlich nur die offizielle) zwischen 90.000 und 100.000 Tonnen zugrundelegen. Die Schlussfolgerung „jahrelanges Unterangebot“ müsste dann zur Konsequenz führen, dass die Preise einmal nach oben schießen müssten, wenn da nicht die obskuren „nicht offiziellen“ Produktionen von REO´s in China – geschätzt mit mindestens 25.000 bis max. 40.000 Tonnen p.a. ins Spiel gebracht werden. Man muss sich nur vorstellen, was diese Zahlen für den Markt bedeuten (können): 30 % der Nachfrage werden „schwarz“ also inoffiziell oder halboffiziell bedient. 

Soweit zur Klarheit der Marktgrundkonditionen. Nun aber zu den Folgen der kürzlich veröffentlichten Entscheidung über die Exportkontingente.

Da muss man wissen, dass diese Kontingente in den letzten drei Jahren nicht einmal vollständig in Anspruch genommen wurden. Heißt das, dass der Weltverbrauch unter die 100.000-Tonnen-Grenze eingebrochen ist? Nein, das heißt, dass der schwarze Markt die Differenz zur Nachfrage ausreichend abgedeckt hat. Also muss man sehen, wie China sich mit der Kontrolle dieser Marktversorgung auseinandersetzt. Behauptet wird seit Jahren, dass man diese Versorgung mit allen Mitteln austrocknen will. Fakt ist aber, dass dieser Prozess unendlich langsam vor sich geht und so der Eindruck entsteht, China wolle sich diesen Bypass so lang wie möglich offenhalten, um zum Beispiel andere Staaten und Firmen gar nicht auf den Gedanken kommen zu lassen, hier große Alternativen zur China-Produktion aufkommen zu lassen. Wenn man sich einmal die chinesische Strategie bei Wolfram, Graphit u.a. ansieht, sollte man diesen Gedanken auch weiterhin verfolgen.

Im Mittelpunkt der Betrachtung muss die Interessenlage von China stehen und da sind derzeit folgende Fakten von besonderer Bedeutung:

  1. Der Umweltschutz, nun ein wichtiges Faktum, gerade für die REO-Industrie
  2. Der Versuch, weiterhin ungestört den Weltmarkt steuern zu können
  3. Soweit wie möglich, die Aktivitäten im Downstream in China zu lassen.

Zum Umweltschutz ist zu sagen, dass die Probleme dieser Industrie nun auch ganz oben angekommen sind; es werden sehr nachhaltig umweltschädliche Kapazitäten stillgelegt, konzentriert oder saniert. Im Ergebnis wird dies zu einer besseren staatlichen Kontrolle und zu einer spürbaren Reduktion der Produktion führen müssen. Jetzt müsste man die Auswirkungen dieser Umweltaktion auf die einzelnen Seltenen Erden einschätzen und da wird es mangels Detailkenntnis der einzelnen Betriebe (es sind Hunderte) extrem schwierig. Am stärksten werden die mittleren und die schweren Seltenen Erden von Umweltauflagen betroffen sein, vor allem, weil die vielen kleineren Betriebe diese Umweltauflagen kaum erfüllen können und notfalls ihre Produktion einstellen müssen.

Besonders hier werden sich die Kapazitäten erheblich verändern müssen, wenn die Umweltziele rigoros verfolgt werden. Dass dabei auch die Kontrolle über die inoffizielle Herstellung einen großen Einfluss haben wird, steht außer Frage.

Zur Marktanteil-Strategie Chinas sind nur wenige Argumente verfügbar. Wer daran glaubt, dass die anderen Lieferanten China große Marktanteile wegnehmen werden, sollte seine Meinung sorgfältig prüfen; das Schicksal von Lynas und Molycorp zeigt, dass es keine ökonomisch sinnvolle Neuproduktion geben wird, solange die Preise nicht erheblich anziehen werden. Und die Weichenstellung für die Preise liegt im Reich der Mitte. Und die vielen Hundert Explorations-gesellschaften, die in der REO-Hype gegründet und finanziert wurden, werden mehr oder weniger schnell von den Kurszetteln verschwinden. Ich weiß es sehr genau, ich habe noch ca. 15 solcher einst extrem interessanten Titel, die sich über immer mehr Kapitalerhöhungen gerade so über Wasser halten können. Aber eine Finanzierung für die Schätzung der Reserven (ohne die man keine Produktion aufbauen kann) steht regelmäßig in den Sternen. Die Kurse von Lynas von stolzen austral. $ 1,50 (derzeit AUD 0,062) und Molycorp von US-$ 200/300 (derzeit US-$ 0,66) sprechen für sich. China wird sich das Heft nicht aus der Hand nehmen lassen, da bin ich mir sicher. 

Und dieses Heft in der Hand wird weiterhin dazu führen, dass immer mehr Seltene Erden in China selbst weiterver-arbeitet werden, also China vom Downstreaming profitieren wird. Immerhin sind in den letzten Jahren von den offiziellen ca. 90.000 Tonnen „nur“ ca. 28.000 Tonnen ins Ausland verbracht, aber die Differenz im Lande selbst behalten oder weiterverarbeitet worden. Dass mit dieser Strategie auch der Zwang automatisch erfolgt, dass der Zugriff zu „intellectual properties“ (also Patente etc.) nach China kommt, ist ein weiterer gewünschter Effekt.

Der von den Antragsländern, die bei der WTO gegen die Exportkontingente vorgegangen sind, gewünschte Effekt wird sich daher kaum durchsetzen lassen. Aus der Freigabe der Kontingente einen erhöhten Druck auf die Preise abzuleiten, dürfte sich als Fehleinschätzung herausstellen. Die Antwort aus China ist bald zu erwarten; man wird eine Sonderabgabe für den Umweltschutz gegenüber den chinesischen Betrieben einführen, um die Umweltproblematik ins Spiel zu bringen, damit die Preise über diese Abgabe zu halten und die Industrie auf ein besseres Umweltniveau zu bringen, was dringend erforderlich ist. Eine Folge wird sein, dass die Kapazitäten zurückgehen, die Gewinnmargen letztendlich in China steigen werden und kaum ein Konkurrent die Chance haben wird, hier unter marktüblichen Bedingungen auftreten zu können. Das ist beste chinesische Strategie. 

Eine negative Folge für die Preise sehe ich nicht, vor allem keine Abschläge von dem weit „ausgebombten“ derzeitigen Niveau. 

Immer mehr wird aber die Kunst der richtigen Einschätzung von industrieller Nachfrage nach den einzelnen Seltenen Erden im Mittelpunkt stehen müssen; es gibt Seltene Erden, die in so großer Menge zur Verfügung stehen, dass man kaum mit einer extremen Preissteigerung rechnen kann, aber auch seltene Erden, die allein schon durch eine technologische Neuentwicklung im elektronischen Bereich einen größeren Nachfrageschub erfahren werden, der sich noch dadurch verstärkt, dass China gerade für die Schweren Seltenen Erden die Kapazitäten mittelfristig reduzieren wird und dann vor allem den heimischen Markt bedient. Und da hat ja China genug Möglichkeiten, der Quersubvention, ohne dass die WTO dagegen vorgehen kann. 

Meine Prognose ist die, dass die Aufhebung der Exportkontingente keinen Effekt auf die Preise haben muss. Wer daher langfristig an die Zukunft dieser Minerale glaubt (ich gehöre zu dieser Spezies) sollte seine Positionen ausbauen, denn die mittelfristigen Faktoren sprechen für diese Seltene Erden.  Weiterhin ist wichtig, ob China Ernst mit der Bekämpfung der Schwarzexporte machen wird und wie schnell diese Maßnahmen sich durchsetzen werden. Alles andere ist Kaffeesatzleserei. 

Meine Empfehlung: Verfolgen Sie vor allem die Veröffentlichungen über neue Entwicklungen und dem Einsatz von Seltenen Erden; mit etwas Fingerspitzengefühl werden Sie dann die stark differenzierten Preisentwicklungen bei den für diese Anwendungen erforderlichen Seltenen Erden für sich ausnutzen können. 

Und bedenken Sie, Sie müssen sich ein Bild über die einzelnen Seltenen Erden machen, eine Globalbetrachtung hilft nichts. Cer und Lanthan (also die Produkte, die z.B. Molycorp und Lynas im Überfluss haben, gibt es weltweit ausreichend. Bei Neodym wird das Angebot schon enger und die anderen für die Erstellung von Hochleistungs-magneten erforderlichen REO´s wie Dysprosium, Praseodym, Europium, ja auch Gadolinium sehen sich einer gesteigerten Nachfrage, aber einer engen Produktion gegenüber.

Deren Preise sind aber mehr von der Einengung des Verkaufs von inoffiziellem REO´s abhängig als von irgendwelchen Exportkontingenten.

Und bedenken Sie, nach den strategisch zu vertretenen Verlusten der chinesischen REO-Industrie wollen diese meist Staatsbetriebe auch wieder richtig Geld verdienen. Und das geht nur über eine Veränderung in der Nachfrage- und Angebotsstruktur. Die Grundlagen sind definiert: Umweltgerechte Konzentration, Stilllegung zu teurer Kapazitäten, Verminderung des Schwarzmarkts und Ersticken der weltweiten Konkurrenz (siehe Lynas und Molycorp).

Das alles wird zu höheren Preisen spezieller Seltener Erden führen.

 

 

Dr. Dietmar Siebholz ©                                       

 

 



 

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